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Über mich

Geboren und aufgewachsen bin ich in Juiz de Fora, einem Ort im Südosten Brasiliens. Eine musikalische Karriere legte mir mein Elternhaus nicht in die Wiege. Meine Familie ist sehr arm, beide Eltern sind Analphabeten, meine Schwester hat das Downsyndrom. Der Gesang protestantisch religiöser Choräle meiner Mutter jedoch begleitete mich vom ersten Atemzug an. Sie war Mitglied einer religiösen Gemeinschaft, die bald auf den kleinen Moisés aufmerksam wurde, der begierig alles Musikalische aufnahm.

Ich erhielt Musik- und Notenunterricht, durfte im Orchester Geige spielen, die mir zur Verfügung gestellt wurde. Viel spannender allerdings erschien mir die Orgel. Die aber wurde ausschließlich von Frauen bedient. So erweiterte ich mein Geigenspiel imaginär durch Pedalbewegungen der Füße, was allgemein auf Unverständnis stieß.

Statt Klavier eine Werkbank mit Klaviatur

Im Alter von acht Jahren sah ich beim Nachbarn im Fernsehen Vladimir Horowitz. Elektrisiert beschloss ich, das will ich auch, so spielen, auf einem Flügel. Aber wie? Mein Großvater hatte eine alte Werkbank, darauf zeichnete ich eine Klaviatur ein und begann im Geist zu spielen, was ich von den Gottesdiensten kannte.
Mit dreizehn erfuhr ich von einer Musikschule in der Stadt. Ich freundete mich mit den Putzfrauen und Wachmännern an, sie ließen mich, bald die „Maus der Schule“ genannt, heimlich an ein Klavier. Darauf zu spielen, war das ein Genuss!

Verbotene Klaviere und endlich ein Lehrer

Eines Tages erwischte mich die Direktorin und verbat mir das Haus. Ein Freund hatte die Idee, mich mit seinem Lehrer, dem in Brasilien berühmten Musikprofessor André Pires bekannt zu machen. Ich fasste mir ein Herz und bat, ihm vorspielen zu dürfen. Anschließend fragte er mich, wer denn mein Lehrer sei. „Er sitzt vor Ihnen“, meine Antwort. Verdutzt bot er mir an, mich drei Monate lang frei zu unterrichten – es wurden dreieinhalb Jahre. Bis heute verbindet uns eine wunderbare Freundschaft.

Zur klassischen Musik nach Deutschland

In dieser Zeit lernte ich das klassische Piano-Repertoire, unter anderem Haydn, Bach, Villa-Lobus, Chopin, Rachmaninow. Besonders zog mich die deutsche Romantik an. Wieder autodidaktisch, brachte ich mir die Sprache bei, mit dem Wunsch, in Deutschland weiter studieren zu können. Die Liebe führte mich nach Hamburg. Wieder traf ich auf Menschen, die mich unterstützten. Inzwischen bestand ich an der Hochschule für Künste in Bremen meinen Bachelor mit Auszeichnung und bin auf dem Weg zum Master.

Mit Musik Grenzen lösen

Über die Magie der Musik möchte ich die Geschenke, die mir das Leben bisher gewährt hat, weitergeben. Sie kann auf wunderbare Weise die Grenzen zwischen Klassen und Völkern überwinden helfen. Und ich möchte in der Lage sein, über die Musik meine Familie zu unterstützen, in tiefer Dankbarkeit für meine Mutter. Ihre unerschütterlichen Liebe gab mir die Kraft, mannigfache Hindernisse zu überwinden.